12/04/12
Postoperative Wundinfektionen
Trotz hoher hygienischer Standards sind Wundinfektionen nach wie vor häufige Komplikationen bei Operationen. Die Folgen postoperativer Wundinfektionen sind schwere Beeinträchtigungen des Patientenwohls, eine höhere Sterblichkeit und aufgrund verlängerter Krankenhausaufenthalte auch höhere Kosten für das Gesundheitssystem. Nahtmaterial, das antibakteriell beschichtetet ist, kann helfen, das Wundinfektionsrisiko so gering wie möglich zu halten. Von 01.-02. April 2012 fand in Graz ein Symposium zu diesem Thema statt. Eine interdisziplinäre Expertenrunde aus Chirurgie, Pflege und Verwaltung diskutierte postoperative Wundinfektionen aus verschiedenen Blickwinkeln und erörterte Möglichkeiten, das Risiko postoperativer Wundinfektionen zu minimieren.
Wenn sich Menschen im Krankenhaus behandeln lassen, geschieht das in der Hoffnung auf Heilung oder zumindest auf Verbesserung des Gesundheitszustandes. In den meisten Fällen ist das auch möglich, allerdings können sich Patienten in Krankenhäusern auch Infektionen zuziehen, die durch den Aufenthalt oder die Behandlung in diesem Krankenhaus verursacht wurden.
Postoperative Wundinfektionen, also Infektionen in Folge von Operationen, sind nach Harnwegs- (40%) und Atemwegsinfektionen (20%) die dritthäufigste Form von Krankenhausinfektionen (15%). „Postoperative Wundinfektionen sind Infektionen, die innerhalb von 30 Tagen nach der Operation oder bei Implantaten und einem damit vermuteten Zusammenhang innerhalb eines Jahres auftreten“, so Univ.-Prof. Dr. Ojan Assadian, Klinisches Institut für Krankenhaushygiene, Medizinische Universität Wien. Je nach Land und Art des chirurgischen Eingriffs treten sie in Europa bei 2 bis 5% aller Operationen auf. Während oberflächliche Infektionen nur die Haut miteinbeziehen, erfassen tiefe Infektionen bereits das Binde- und Muskelgewebe. Im schlimmsten Fall betrifft die Infektion Organe oder Körperhöhlen, die während der Operation geöffnet wurden.
Postoperative Wundinfektionen verursachen nicht nur eine schwere Beeinträchtigung des Patientenwohls, sie führen vor allem zu einer längeren Verweildauer im Krankenhaus und zu deutlich erhöhten Kosten. Im Durchschnitt fallen vier Tage zusätzlicher Krankenhausaufenthalt an.
Faktoren, die Einfluss auf die Entstehung von Wundinfektionen haben
Nicht jeder Erreger führt gleich zu einer Infektion. Einfluss auf die Entstehung einer Wundinfektion haben erregerseitige und patientenseitige Faktoren. Zudem spielen verschiedene Handlungsschritte vor, während und nach der Operation eine Rolle. Um die Wundinfektionsrate so gering wie nur möglich zu halten, ist ein Bündel an Maßnahmen und deren konsequente Umsetzung erforderlich. Zu den erregerseitigen Faktoren zählt unter anderem die Anzahl der Erreger, die in eine Wunde kommen. Die Erreger, die Wundinfektionen hervorrufen, sind vielfältig. Gemeinsam ist ihnen, dass es sich überwiegend um Mitglieder der normalen Mikrobenflora des Organismus handelt sowie um Mikroben, die aus dem Lebensumfeld des Menschen stammen. Mikroben sind mikroskopisch kleine Lebewesen. „Träger der Erreger können die Patienten selbst sein -viele Menschen haben Mikroben in der Nase-, ebenso wie das Krankenhauspersonal oder Angehörige. In sehr seltenen Fällen finden sich ansteckende Organismen aber auch in oder auf operationsfeldfernen Flächen in den OP-Räumen“ so Univ.-Prof. Dr. Assadian.
Zu den patientenseitigen Faktoren zählen der Immunstatus und der Allgemeinzustand des Patienten. Je schlechter der Allgemeinzustand eines Patienten ist, desto wahrscheinlicher wird eine postoperative Wundinfektion. Bei Operationen, bei denen der Zeitpunkt der Durchführung gewählt werden kann, vermögen rechtzeitige Maßnahmen wie Ausgleich einer Mangelernährung, Diabetes-Einstellung, Gewichtsreduktion, Raucherentwöhnung, etc. das postoperative Risiko verringern.
Zu einer optimalen Vorbereitung des Patienten vor einer Operation zählen die Einstellung des Blutzuckerspiegels, ein Nasenabstrich, antimikrobielles Duschen am Vorabend der OP, eine Hautdesinfektion, ein Haarclipping unmittelbar vor der OP und eine Antibiotikaprophylaxe. Während der Operation ist das Vorgehen des chirurgischen Personals entscheidend. Chirurgische Händedesinfektion, Handschuhwechsel, Abdeckung des Patienten, ordnungsgemäße Sterilisation der Instrumente, etc. sind dabei Voraussetzung.
Antibakterielles Nahtmaterial
Auch auf chirurgischem Nahtmaterial können, wie auf jedem anderen Implantat auch, Mikroorganismen anhaften, die zu Infektionen führen können. Seit einigen Jahren wird intensiv geforscht, welchen Einfluss das Nahtmaterial auf die Wundinfektionsrate haben kann. Studien haben bewiesen, dass sich durch Nahtmaterial die zur Wundinfektion erforderliche Bakterienzahl um das bis zu 10.000fache reduziert.
Eine Möglichkeit, die Wundinfektionsrate so gering wie möglich zu halten, ist die Verwendung von antibakteriell beschichtetem Nahtmaterial [1]. Antibakteriell beschichtetes Nahtmaterial trägt auf zweierlei Weise zur Prävention von postoperativen Wundinfektionen bei: aufgrund der antibakteriellen Beschichtung stellt es selbst keinen Risikofaktor für eine Infektion dar und es schützt die Wunde vor Kontaminationen in den Tagen nach der Operation, also in der Zeit, in der sich die meisten Wundinfektionen bilden. „Die Beschichtung von chirurgischem Nahtmaterial ist sinnvoll und wird allgemein empfohlen“, sind sich die Experten Prof. Axel Kramer, Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene (DGKH) und Univ.-Prof. Dr. Assadian einig.
1 Antibakteriell beschichtetes Nahtmaterial ist mit einem Antiseptikum imprägniert, nicht zu verwechseln mit einem Antibiotikum, da man mit diesem Resistenzen schaffen würde.
Rückfragehinweis:
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Mag. Barbara Puchner
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